Story 13

 

Geschichten 2

 

 

  Raubtierfütterung 

 

    Jeder kennt das Sprichwort, „Gegensätze ziehen sich an!“
Dieser Spruch, beschreibt unsere kleine Familie, perfekt.

Meinen Lebensgefährten halten Leiterbahnen, Dioden, Widerstände und Computerprogramme am laufen.
In meinen Adern fliessen Farbe, Gefühl und eindeutig viel zu viel Fantasie.
Bei Berührung mit mir, hat er regelmäßig einen Kurzschluss und es brennen ihm oft vor Erheiterung, ein paar Leitungen durch.

Miteinander haben wir, zum Beispiel, die Liebe zu unseren Katzen.
Diese beiden, sind in ihrem Wesen genau so unterschiedlich, wie ihre menschlichen Sklaven.

Blacky, die Mutter, ist vollkommen schwarz.
Klein, mollig, eine Trösterkatze und sehr schlau.
Socke, die Tochter, schwarz, mit weißem Brustfleck und vier weißen Pfoten.
Hübsch, schlank, kapriziös und etwas dämlich.

Zu Beginn unseres gemeinsamen Lebens, kämpften wir Menschen,
mit ein paar kleinen Gewöhnungsschwierigkeiten.
Zum Beispiel, beim Füttern unserer Mitbewohner.

Ich kaufte kleine Keramikschalen und nahm den Gestank des Katzenfutters knurrend in Kauf.
Mein Lebensgefährte schnüffelte und begann das Problem zu lösen, indem er im Internet eine automatische Fütteranlage bestellte.

Voll Stolz, präsentierte er nach einigen Tagen, die Lösung des Geruchsproblems.
Laut Hersteller, war das System einfach und genial.
Beide Futterschüsseln waren mit einem durchsichtigen Deckel versehen.
Mittels Bewegungssensor würde sich dieser Verschluss, nur bei Annäherung eines Körpers öffnen und die Katze konnte bequem fressen.
Wenn sich das Tier wieder entfernte, schloss sich der Deckel.
Somit, wäre die Geruchsbelästigung minimal.
Lässig, ob der Tatsache, wie rasch er das Problem erledigt hatte, aktivierte mein Lebensgefährte seine neuesten, technischen Apparate.
Ich füllte das beste Futter ein, wir stellten uns daneben und warteten.

Neugierig wie Katzen sind, beobachteten unsere beiden Vierbeiner längst, das Geschehen.
Blacky, die Mutigere, trat sofort näher. Stakste hungrig vor ihrem Essplatz auf und ab.
Die Schale blieb geschlossen.
Socke, schlenderte lässig näher, schnüffelte gemächlich, ihr Deckel ging auf und sie begann zu fressen.
Wunderbarer Futtergeruch breitete sich aus.
Ein wenig schockiert blickte ihre Mutter auf das Geschehen.
So etwas war noch nie passiert.
Normalerweise, erhielt sie ihr Futter als erste.



Etwas irritiert, kratzte sie immer wieder an dem geschlossenen Gefäß.
Nichts passierte.
Man konnte fast erkennen, wie in dem kleinen, quergelegten Kopf die Überlegungen hin und her flogen.
Schwankend, zwischen Mitleid und aufbrandender Erheiterung, beobachteten wir kichernd die Situation.

Schließlich wandte sich unsere kluge Katze resolut um, schob ihre Tochter beiseite und wollte einfach den anderen Napf übernehmen.
In diesem Moment, klappte auch dieser Verschluss zu.
Blackys Nase wurde ins Futter gedrückt und in letzter Sekunde riss sie den Kopf aus dem kleiner werdenden Spalt.
Geschlossen, auch dieses Futter unerreichbar.
Fassungslos, hockte eine schwarze, hungrige Katze, vor den Schüsseln.
Der Blick mit dem sie uns beide bedachte, war zutiefst entrüstet.
Socke hatte sie sich inzwischen unbeeindruckt, an die Futterstelle ihrer Mutter gewandt.
Sie senkte den Kopf, der Deckel öffnete sich.
Blackys Hals wurde steif.
Starker Geruch, aus ihrem Napf; aus ihrem Eigentum.
Ein wütendes Fauchen, Tochter beiseite stoßen, waren eine Bewegung.
Die Nase stieß fast ins Futter.
Der Deckel fiel zu.
Der Blick unserer hungrigen Katze, wurde zunehmend irre.
Mit zornigen spitzen Schreien, lief sie hektisch vor den beiden Futterstellen auf und ab.
Nichts geschah.
Mein Freund und ich, brüllten bereits vor Lachen. Sie blickte sie nicht einmal in unsere Richtung.
Endlich kapitulierte sie schnaufend und hockte sich, auf ihren kleinen molligen Katzenhintern.
Die Gunst der Stunde nützend, trat Socke langsam vor und …….begann gemütlich zu fressen.
In diesem Moment, schmorten Blackys Gehirnzellen völlig durch.
Mit einem weiten Satz, sprang sie nach vorne und schnappte gierig, nach dem grössten Stück.

Der offene Deckel klopfte 2 mal kräftig auf Ihren gesenkten Kopf und schloss sich sofort, als sie diesen erschrocken zurückriss.
Die Geräusche, die mein Freund in diesem Augenblick von sich gab, waren unbeschreiblich.
Ich keuchte nur mehr und blickte aus einem Nebel von Lachtränen auf das Geschehen.

Unsere erboste Madame hielt plötzlich inne und starrte auf das unerreichbare Futter.
Ein eiskalter Blick, glitt in unsere Richtung.
Mit letzter Würde, hob sie schließlich verächtlich den Kopf und stakste, in die nächstliegende Katzenhöhle.

Heute wissen wir:
Bewegungssensoren erfassen die „Farbe“ schwarz, sehr schlecht, bis gar nicht.
Als wir uns wieder beruhigt hatten, wanderten die Schalen sofort in den Müll.
Ich will mir nicht den Unmut, unserer kleinen Herrscherin zuziehen,
sie könnte mir Nachts die Zehen abfressen.
 

Copyright
Eva Winter