Story 12

 

Geschichten 2

 

 

 Navigationsgeräte - Segen oder Fluch 

Viele meiner Freunde und Bekannten fahren mit einem Navigationsgerät quer durch das ganze Land.

Als Beifahrerin konnte ich mich immer wieder von der Verlässlichkeit dieser Technik überzeugen.
Also kaufte ich vor einigen Monaten selbst ein derartiges Gerät und war augenblicklich von seiner Ortskenntnis abhängig.
Leider erzählte ich bei einem Ausflug im Wagen aus purem Übermut, einen herabsetztenden Witz über Navigationsgeräte.
Seither hatte ich einige seltsame Erlebnisse.

In Österreich sind Autobahnen mautpflichtig.
Ich muss voraus schicken, dass ich eher selten Auto fahre und daher kein Autobahnpickerl habe.
Lediglich in meinem Urlaub kaufe ich mir ein Monatspickerl um unbelastet und frei fahren zu können.
Ich speichere mein Navi zu Beginn des Urlaubs um, und sage ihm, dass es für diese Reisen auch Mautstraßen verwenden darf.

Nun ein kleines Beispiel für mein Misstrauen:
Ich besuchte im Sommer des Jahres 2011 eine Freundin in der Steiermark.
Die Fahrtzeit beträgt einige Stunden und so war ich etwa 15 Km vor dem Ziel eine gute Stunde zu früh dran.
Leichtsinnig beschloss ich, den letzten Abschnitt der Reise, über ländliche Seitenstraßen zu fahren. Die Landschaft, in der Nähe der Riegersburg, ist sehenswert.

Sanfte Hügel, versteckte Höfe. Liebliche Wälder.
Dazwischen fuhr ICH, genüsslich, lässig und ergötzte mich an dem malerischem Bild.
Bis zu jenem gruseligen Moment, als eine Frauenstimme kühl erklärte, „Sie haben ihren Zielort erreicht.“
Ein wenig fassungslos starrte ich auf ein abgeerntetes Feld und dachte im ersten Moment: „Wann ist das Haus von Elisabeth ist explodiert ???!!

Leider hatte ich, bei meiner Genussfahrt vollkommen die Orientierung verloren.
Vollkommen verzweifelt fuhr ich bis zur ersten mir unbekannten Ortschaft und bat meine Freundin mich zu holten.
Ab diesem Moment, streikte das Navi und schwieg.
Ich habe mich einige male ordentlich verfahren.
Es streikte, bis ich auf die Autobahn nach Wien auffuhr. Die nächsten 300 km erklärte mir eine kühle Frauenstimme bei jeder einzelnen der 50 Abfahrten, dass ich verboten auf einer Mautstraße unterwegs wäre und bot lautstark die Überland - Alternativen an.

Es muss, an dieser Situation, diebischen Spass empfunden haben.

Weil es seither immer wieder, seltsame Funktionsstörungen hat.


Ich habe inzwischen „ungewollte“ Zielorte:
bei Siechen- und Pflegeheimen, einem Gefängnis und einem Friedhof erreicht.
Gestern allerdings, gelang ihm eine wahre Meisterleistung:

Für die Anreise zu einem Malkurs wählte ich (also „es“) wieder einmal den kürzesten Weg.
Wir trafen mit einer viertelstunde Verspätung ein.
Die Situation war ein wenig unangenehm aber rasch vergessen.
Die Heimfahrt nahte und eine der Kursteilnehmerinnen, ersuchte um Mitnahme, da sie in der Nähe meines Wohnortes einen Termin wahrnehmen wolle.
Wir waren schon ein wenig spät dran, aber sie meinte, eine Fahrt mit dem Wagen, wäre jedenfalls schneller als öffentliche Verkehrsmittel.
Grundsätzlich korrekt.
Wir plauderten angeregt, lachten und scherzten, ich bog ein paar mal nach Anweisung ab und plötzlich die peinliche Erkenntnis.
Das Navi wollte mich, offenbar wieder einmal, auf dem „kürzesten“ Weg nach Hause geleiten.
An unserer Umwelt deutlich erkennbar.
Wir hatten die Hauptstraßen längst verlassen und fuhren gerade durch ein Siedlungsgebiet, mit Zone 30.
Verbissen knurrend, schlich ich im Schritttempo weiter.
Die Mitfahrerin auf dem Rücksitz, röchelte über ihren Termin und meine Mutter seufzte mitfühlend.
Endlich eine freie Strasse.
Mit Tempo 80 düste ich weiter, da laut Anzeige des Navigationssystems die Stadt langsam aber stetig näher kam.
Welch kluger Schachzug dieses hinterhältigen Gerätes.

Ich war noch immer überzeugt, mit erreichen der Stadtgrenze, wäre die weitere Fahrt kein Problem.
Die Landschaft wurde ländlicher.
Felder wechselten, mit kleinen Wäldchen.
Wir begannen verzweifelt, zu spotten.
Lachten über Füchse und Eichhörnchen, und den Hintern der Welt.
Die Straße führte durch einen verwilderten dunklen Wald,
wurde enger und enger.
Wir lästerten inzwischen ziemlich hysterisch, über
seltsame Fotoaufnahmen, von Opfern von der Technik.

Unsere Mitfahrerin, erinnerte wimmernd an ihren Termin.
Eine letzte Kurve, die Bäume kamen dem Wagen gefährlich nahe.

Plötzlich war der Asphalt zu Ende,
vor uns lag die Donau bei Wien.

In die fassungslose Stille im Wagen, klang boshaft
und mit eindeutigen Triumph die weibliche Stimme unseres Navis:


„Nehmen sie die Fähre!

 

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Eva Winter