Story 2

 

Geschichten 1

 

 

  Haustierliebe

Ich werde eindeutig alt und senil.

Ein vernünftig denkender Mensch würde sich schließlich keine Katze aus dem Tierschutzhaus nehmen, NUR weil Fernsehkatzen so beruhigend schnurren.
Hier sitzt jemand, der sogar doppelt zugeschlagen hat.
Er sitzt auf einer funkelnagelneuen Couch. Mit zwei Katzen.
Damit sich eine Katze alleine nicht langweilt während ich arbeite.
Ha Ha! Wie könnten sich diese kleinen Tyrannen langweilen wenn ein Mensch bei ihnen lebt. Wie fies sie sich in den ersten Wochen in mein Leben geschleimt haben. Jeden Abend schnurrend beim Fernsehen. Wie geduldig sie mein Streichelbedürfnis ertrugen. Wie scheinbar freudig die kalten Füsse gewärmt wurden. Jeden Morgen wanderten zwei niedliche schwarze Schwanzspitzen schnurrend vor dem Bett herum und betteln um ihr Futter. Zutritt zu meinem Schlafplatz war selbstverständlich verwehrt und diese gut erzogenen Vierbeiner hielten sich daran.
Dass dieser Vorgang vor 5 Uhr früh stattfand, sieben Tage in der Woche, DAS hätte mir schon damals zu denken geben müssen.

Ein halbes Jahr später haben die zwei zuckersüssen kleinen Monster die Herrschaft über mich, meinen Freund, und die Wohnung übernommen.
Die Weltherrschaft haben sie noch nicht. Aber ich fürchte das folgt in Kürze.
Bleiben Sie wachsam.
Die Übernahme unseres Lebens, ist ihnen ohne eigene Verluste gelungen.
Wir haben unsere Entscheidungskompetenz, sämtliche Liegestätten und den Spass am unvorbereiteten Schnaxeln verloren.
Sex ist nicht ungezwungen, wenn zwei kritische Augenpaare dabei bewertend zusehen.
Bei jedem Stöhnen mit einem Schnurren antworten und in die Zehen die sich bewegen hinein beissen.
Trotzdem lieben wir sie beide.
Jeden Abend liegen unsere Vierbeiner schnurrend auf der neuen Bettbank, völlig relaxt mit dem Platzbedarf eines Blauwals.
Ich hocke auf dem Fernsehsessel daneben und lasse mir zähneknirschend den Rücken massieren.
Mein Freund darf als Männchen und Streichler noch einen Teil der Bank benützen. Er hat noch eine kleine Schonfrist. Nur SIE wissen wie lange.

Eine nicht ganz so gute Freundin erzählte einmal, dass eine warme Katze beim Einschlafen im Bett so süss sei.
Ich kann nur zustimmen, das sind sie wirklich.
Süss und und kuschelig wärmen sie den Bauch; beim einschlafen.
Beim Aufwachen um 4 45 sind sie nicht mehr süss. Sie schnurren neben meinem Ohr, dass die Wände wackeln. Ich weise nochmals darauf hin ...jeden Morgen.
Wenn ich nicht rasch genug reagiere sitzt ein kleiner schwarzer Mount Everest auf meiner Brust. Er wünscht sich Futter um sein Gewicht zu vergrössern. Meistens schaue ich ihm ins Gesicht. Dann ist er noch nicht missgelaunt.
Gesichter furzen nicht.
Der echte Mount Everest kackt zum Glück nicht. Weder entsetzlich stinkend auf ein Kisterl noch daneben. Er übergibt sich auch nicht, vorzugsweise auf die Teppiche in der Wohnung.
Einer nach dem anderen wurde gezeichnet. Dort ein wenig gekotzt, dort ein wenig markiert. Bis der Geruch sicher sitzt. Zum Glück sind sie schon alt und werden bald weggeworfen. Selbstverständlich meine ich die Teppiche! Kein Katzenbesitzer würde etwas anderes sagen.
„Sie“ könnten es hören.

Seit dem letzten Urlaub ist mein Irrsinn allerdings offiziell.
Welcher normale Mensch würde schließlich für die Dauer der Abwesenheit in der Wohnung eine Kamera installieren, nur um seine Lieblinge auch im Urlaub zu sehen.
Jeden Morgen und jeden Abend im Hotel eine halbe Stunde in Katzen - TV zu investieren.
Statt eines romantischen Sonnenunterganges am Meer.
Zu dieser Zeit seine eigenen Möbel an zu starren und zu hoffen dass wenigstens einer der beiden geliebten Vierbeiner aus seinem Versteck kriecht.
 

Eine sensationelle Erkenntnis habe ich bei der Überwachung allerdings gewonnen.
Es nützt gar nichts, in Teneriffa schreiend vor dem Computerschirm herum zu hüpfen, wenn in Wien eine Katze auf dem Esstisch sitzt. Mit ihrem kleinen dicken Hintern auf meinen Telleruntersetzern wetzt. Mit einer Kralle, ein wenig am Tischtuch zupft und rupft.
So selbstverständlich und so lässig, dass die lange Übung unverkennbar ist.

Die ernsthafte Erziehung meiner Katzen kann trotz dieser Beobachtungen noch warten.
Vor allem deshalb weil im Gegensatz zu ihnen, meine Erziehung viel besser und schneller funktioniert.
Ich beginne um 6 Uhr früh zu arbeiten, um ihnen ihr Futter zu garantieren. 

Ich besitze neue Telleruntersetzer und räume sie täglich weg.

Ich glaube sie mögen mich auch.

 

Copyright - Eva -Winter